Deutschland braucht einen Masterplan für den Miet- und Sozialwohnungsbau auf neuem Bauland

09.05.2019

Deutschland baut – viel zu wenig. Es baut zu teuer. Und viel zu oft jwd. Das Wohnen ist längst für einen guten Teil der Bevölkerung zur alles entscheidenden sozialen Frage geworden, so das Fazit des 11. Wohnungsbau-Tages. Das Verbändebündnis Wohnungsbau, das den Branchengipfel veranstaltet, forderte deshalb am Donnerstag in Berlin einen „Masterplan für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau“.

So sei die durchschnittliche Wohnfläche je Neubauwohnung in den letzten sechs Jahren um rund elf Quadratmeter zurückgegangen – ein Minus von zehn Prozent.

Zudem werde die Luft für private Investoren und Projektentwickler, Wohnraum noch bezahlbar und rentabel zu bauen, immer dünner. Schuld daran seien die Preistreiber des Wohnungsbaus – allen voran hohe Grundstückskosten in Ballungsräumen und steigende Baukosten.

Das Prognos-Institut weist in seiner Studie nach, dass teurer werdende Baugrundstücke die Mieten erheblich nach oben treiben. Allein durch die Erhöhung der Geschossflächenzahl – also durch das Verdichten, das „Wachsen von Gebäuden nach oben“ – sei es insbesondere in Boomstädten möglich, den Anstieg der Mieten im Neubau zum Teil erheblich zu bremsen.

Ein entscheidender Engpass sei auch die Kapazität auf dem Bau: „Der Bauwirtschaft steckt der Schock, den sie Ende der 90er-Jahre erlitten hat, als sie zum radikalen Abbau ihrer Beschäftigten gezwungen war, noch in den Knochen“, so das Verbändebündnis. Der Wohnungsbau brauche dringend eine deutlich bessere und auf Dauer angelegte Förderung. Nur mit dieser Perspektive könne die Bauwirtschaft dauerhaft zusätzliche Kapazitäten aufbauen und damit das Niveau der Bautätigkeit nachhaltig sichern.

Auch das Prognos-Institut fordert in seiner Studie mehr Verlässlichkeit bei wohnungsbaupolitischen Instrumenten und beim Förderrahmen. Temporäre Impulse – wie das von der GroKo eingeführte Baukindergeld oder die lange diskutierte, immer noch nicht eingeführte Sonder-AfA auf Zeit für den Mietwohnungsbau – seien nicht geeignet, um mittel- bis langfristig die Kapazitäten zu erreichen, die der Wohnungsbau dringend brauche.

Das Verbändebündnis Wohnungsbau übte auf dem Wohnungsbau-Tag scharfe Kritik an Bund, Ländern und Kommunen: „Es passiert auf allen drei Ebenen viel zu wenig. Der Wohnungsbau kommt nur schleppend voran, weil ein beherztes politisches Zupacken fehlt.“ Dazu gehörten bei Bund und Ländern vor allem auch eine deutliche Entschlackung der Bauvorschriften und bei den Kommunen zügigere Genehmigungsverfahren durch mehr Personal und Digitalisierung in den Baubehörden.

Auch die Wissenschaftler vom Prognos-Institut schreiben der Politik klare Forderungen ins Stammbuch: „Bei neuen Maßnahmen, Gesetzen oder Förderungen sollte nicht die kurzfristige Perspektive der kommenden zwei bis vier Jahre im Fokus stehen.“ Notwendig sei vielmehr ein strategischer Blick darauf, was für die Wohnungsmärkte mittel- bis langfristig erforderlich ist. Der Wohnungsbau-Tag forderte eine Wohnungsbau-Strategie mit Perspektive und keine „politische Fahrt auf Sicht – von einem Wahltermin zum anderen“.

Dazu BFW-Vizepräsident Frank Vierkötter:

“Die Lage beim Wohnungsneubau wird immer dramatischer – und zwar nicht nur in den Ballungszentren, sondern auch zunehmend in den B- und C-Städten. Wenn wir überhaupt noch Bauland bekommen, dann nur zu explodierenden Preisen, die wir kaum noch im preisgünstigen Wohnungs-Segment auffangen können. Die mittelständischen Immobilienunternehmen des BFW stemmen 50 Prozent des Wohnungsneubaus in Deutschland und stehen auf dem Gaspedal – aber wenn die Kommunen nicht mehr bezahlbares Bauland ausweisen, fahren wir mit angezogener Handbremse! Nur der Staat kann Bauland schaffen – und wenn er das nicht tut, sind auch alle anderen Maßnahmen zum Ankurbeln des Neubaus zum Scheitern verurteilt!”

Die Prognos-Studie wurde vom Verbändebündnis Wohnungsbau beauftragt. In dem Bündnis haben sich sieben Organisationen und Verbände der Bau- und Immobilienbranche zusammengeschlossen – darunter der Deutsche Mieterbund (DMB) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Ebenso der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM). Ihr gemeinsames Ziel: mehr Neubau für ein gutes und bezahlbares Wohnen in Deutschland.

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