Köpfe der Immobilienwirtschaft: Anett Barsch

Düsseldorf, 01.12.2021. Anett Barsch ist Real Estate Project Development bei Swiss Life Asset Managers in Deutschland. Sie verantwortet das Projektentwicklungsgeschäft in den Assetklassen Residential und Office. Seit 2016 ist sie Mitglied im BFW-Landesvorstand NRW sowie im Vorstand des BFW-Bundesverbandes. Zudem ist sie Mitglied im Immobilienausschuss der IHK Köln.

Wohnraum ist kaum noch erschwinglich. Was wünschen Sie sich von der zukünftigen Bundesregierung?
Es geht nicht nur um Grundstückspreise. Auch die steigende Anzahl an Vorschriften macht es nicht leicht, ein auf mehrere Jahre ausgelegtes Projekt zu Beginn sicher durchkalkulieren zu können. Ich möchte mich verlassen können auf bestehende Gesetze und im sicheren Rechtsraum investieren. Hinzu kommt, dass die Baugenehmigungsverfahren größerer Projektentwicklungen ein bis zwei Jahre dauern. Wenn man aber 18 Monate allein auf eine Baugenehmigung warten muss und von der Konzeption eines Projekts bis zur Fertigstellung mit geänderten Vorschriften, Auflagen und unsicherem Ausgang des Genehmigungsverfahrens rechnen muss, wird klar: Die Risiken steigen enorm. Das ist bei der Investition und der Finanzierung zu berücksichtigen, wenn wir seriös arbeiten wollen. Die Bundesregierung hilft allen, wenn diese Prozesse radikal verkürzt und vereinfacht werden.

Stichwort: Nachhaltigkeit. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Faktoren für eine nachhaltige Immobilie?
Eine nachhaltige Immobilie hält den veränderten Bedürfnissen der Nutzer stand, um werthaltig zu bleiben: Flexibilität bei der Nutzung, schonender Umgang mit Ressourcen bis hin zur CO2-Neutralität und Einbindung bestehender Infrastruktur des Stadtquartiers. Zudem muss die Immobilie für die Nutzer funktionieren - von einer guten und anpassungsfähigen Grundrisskonzeption, über eine bewusste Materialauswahl bis zu den Komponenten für einen wirtschaftlichen Betrieb: smart, energie- und ressourcenschonend, individuell wandelbar und digital! Auch Mobilitätskonzepte spielen eine Rolle. Das Wichtigste ist, dass Gebäude und Quartiere so flexibel konzipiert sind, dass zukünftige Veränderungen aufgenommen werden können. Und: Die Quartiere müssen zusammenspielen hinsichtlich Nutzungsmix, Mobilität, Energiemanagement, Sharing-Angeboten und Erholung.

Die Corona-Pandemie hat den Alltag der Menschen verändert. Haben sich dadurch auch Bauweisen verändert?
Die Grenzen zwischen den Nutzungsarten Wohnen und Arbeiten verschwimmen. Dies setzt voraus, dass wir überall digital ausgestattet sein müssen, um überall und zu jederzeit alles erledigen zu können. Auch das Thema Mobilität ist in den Fokus gerückt und zeigt Widersprüche auf: Arbeitsplatznahes Wohnen soll langes Pendeln vermeiden, aber günstiges Wohnen ist nun mal eher am Rand urbaner Gebiete gegeben. Vielleicht entwickeln sich zukünftig wieder bessere Unterzentren?

Wie kann man auch der breiten Mittelschicht noch Wohneigentum ermöglichen?
Wie schon eingangs erwähnt: Wir müssen die Rahmenbedingungen beim Bauen vernünftig halten - durch zügigere und digitalisierte Planungs- und Genehmigungsverfahren. Wir können den (Preis-)Druck von Ballungsräumen nehmen, indem wir den ländlichen (Lebens-)Raum in den Fokus nehmen. Dafür ist aber eine gute Internetanbindung die wesentliche Voraussetzung. Es kann nicht das politische Ziel sein, dass in ländlichen Regionen Leerstand herrscht und vorhandene Infrastruktur ungenutzt bleibt, während das Wohnen in Ballungsräumen für viele unerschwinglich wird.
Wohnungseigentum wird derzeit überhaupt nicht durch die Politik propagiert. Hier kann eine Menge getan werden. Senkung der Grunderwerbsteuer bei der selbstgenutzten Immobilie beispielsweise. Oder die Streichung aller Aufteilungsverbote sowie zum Beispiel die Bereitstellung von Erbpachtgrundstücken.chäft in den Assetklassen Residential und Office. Seit 2016 ist sie Mitglied im BFW-Landesvorstand NRW sowie im Vorstand des BFW-Bundesverbandes. Zudem ist sie Mitglied im Immobilienausschuss der IHK Köln.

 

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