Wohnungsbau in Köln: Chance mit Ratsentscheid vertan?

Düsseldorf, 08.09.2025. Während der „Hamburg Standard“ als Modell für kostengünstiges und bezahlbares Bauen bundesweist Aufmerksamkeit erregt, hat Köln eine Chance vertan: Ein vergleichbarer Prozess, den die Dezernenten Markus Greitemann und Andree Haack vor vier Monaten mit Unterstützung der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH auf den Weg bringen wollten, wurde vom Rat in dieser Form gestoppt.
Trotz Unterstützung durch zentrale Akteure der Bau- und Immobilienwirtschaft, darunter Köln AG, GAG Immobilien AG, BFW Nordrhein-Westfalen, die Wohnungsbau Initiative Köln, Molestina Architekten und ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS, lehnten vor allem SPD und Grüne das Vorhaben ab. Sie lehnten die Einbindung externer Berater mit Verweis auf die Honorarkosten von 664.000 Euro ab mit der Argumentation, stattdessen auf interne Kompetenzen in der Verwaltung zu setzen. Damit wurde ein Prozess blockiert, den Kölns Wohnungsbau dringend gebraucht hätte: eine neutrale Moderation zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft, klare Prozesse und umsetzbare Maßnahmen. Stattdessen droht Stillstand – und das in einer Stadt, die beim Wohnungsbau ohnehin dramatisch hinter den Bedarfen zurückbleibt.
„Wer mit einer Milliarde Euro für den Wohnungsbau Wahlkampf macht, sollte zunächst erklären, warum schon 664.000 Euro für ein wirksames Verfahren nicht aufzubringen sind“, fragt BFW-Landesgeschäftsführerin Elisabeth Gendziorra. Als Ausweg könnte die Wohnungsbauleitstelle nun direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt werden, um den politischen und administrativen Blockaden entgegenzuwirken. Doch weder SPD noch Grüne greifen diese Lösung in ihren Programmen auf. Während die Grünen vor allem auf „Netto-Null-Versiegelung“ setzen, verspricht die SPD Milliardeninvestitionen ohne Finanzierungsnachweis.
Das ernüchternde Fazit: So kurz vor der Kommunalwahl hat die Kölner Politik ein starkes Signal für echten Fortschritt im Wohnungsbau vermissen lassen. "Was bleibt, ist die Hoffnung, dass nach dem Wahlkampf endlich wieder die Sache im Mittelpunkt steht und Köln den Weg zur Zusammenarbeit mit allen Akteuren findet", so Gendziorra.
(Fotomontage) Hintergrundbild Köln: conorcrowe - stock.adobe.com