"Wohnraumförderung bleibt Stabilisator der Wirtschaft"

Düsseldorf, 01.12.2025. Rund 140 Gäste waren der gemeinsamen Einladung von BFW NRW und Haus & Grund Rheinland Westfalen zum Parlamentarischen Abend in den Düsseldorfer Landtag gefolgt. Auch NRW-Ministerin Ina Scharrenbach.
Begrüßt wurden die Besucher vom Landtagsvizepräsidenten Rainer Schmeltzer. Für die ausrichtenden Organisationen sprachen BFW-Landesvorsitzender Martin Dornieden sowie Walter Eilert, Präsident von Haus & Grund Rheinland-Westfalen. In seinem Grußwort zeichnete Dornieden ein ernüchterndes Bild der wirtschaftlichen Lage: „Das ganze Land steht gefühlt auf der Stelle“, erklärte er mit Blick auf die Bau- und Immobilienbranche. Eine solche Situation habe er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt. Gleichzeitig wertete er die Verabschiedung des Bauturbo-Pakets und die Rückkehr der KfW-Förderung EH-55 als wichtiges Signal. Besonders in Köln und Bonn seien erste Anzeichen erkennbar, dass der Bauturbo tatsächlich angewendet werde. Dornieden warnte jedoch vor einem Flickenteppich unterschiedlicher kommunaler Regelungen in NRW und sprach sich für einen einheitlichen, konstruktiven Dialog aus. Sein besonderer Dank galt Ina Scharrenbach, die als Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung den Gebäudetyp E und den Bauturbo maßgeblich vorangetrieben habe. Einfacheres Bauen erleichtere zudem die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Als zentrale Stütze für die Branche hob Dornieden das Fördervolumen von 2,3 Milliarden Euro hervor, das NRW-Bank und Landesregierung bereitgestellt haben. Haus & Grund-Präsident Walter Eilert verwies in seinem Grußwort auf die Situation der künftig rund 170.000 Eigentümer und Kleinvermieter, die nach der Fusion zweier NRW-Landesverbände im neu formierten Verband Haus & Grund Rheinland Ruhr organisiert sind.
Ministerin Scharrenbach brach eine Lanze für die Bundesregierung und appellierte an Politik und Branche, „rechtliches und finanzielles Vertrauen“ herzustellen. Sie betonte, dass die NRW-Wohnraumförderung auch im kommenden Jahr ein entscheidender Stabilisator der Immobilienwirtschaft bleibe. Zudem werde sich das Land verstärkt um stabile Regelungen im Mietmarkt kümmern, denn, so die Ministerin, Wohneigentum in Deutschland sei Volkseigentum.
Gastredner Prof. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) belegte diese Aussage mit zentralen Erkenntnissen aus der IW-Studie „Private Vermieter auf dem Rückzug?“ für Haus & Grund: 5,5 Millionen Kleinvermieter prägen den deutschen Markt, 16 Millionen Wohnungen befinden sich in privater Hand. „In 50 Prozent der Fälle wurden im letzten Jahr keine Mietanpassungen vorgenommen“, informierte Voigtländer.
Nur zehn Prozent der Vermieter erzielen nach Erhebung des IW mehr als 20.000 Euro Gewinn pro Jahr. Trotz steigender Vermieter-zahlen sei die Wohneigentumsquote in Deutschland um einen Prozentpunkt gesunken. Deutschland sei – mit Ausnahme der Schweiz – beim Eigentumserwerb nach wie vor Schlusslicht im internationalen Vergleich. Er sieht wachsende Unsicherheit durch energetische Anforderungen, das Gebäudeenergiegesetz und die CO₂-Bepreisung als zentrale Gründe für die rückläufige Bedeutung privater Vermieter. Zugleich forderte er mehr Automatismen in der Mietentwicklung, da die Bestandsmieten der allgemeinen Marktentwicklung deutlich hinterherhinkten und umfassende Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen so nicht möglich seien.
Foto: BFW NRW/Alfred Krauss, Pulheim