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Klimaneutralität: Strukturwandel in der Wohnungswirtschaft


annaspoka - stock.adobe.com
22. Dezember 2025

Düsseldorf, 22.12.2025. Der akute Wohnungsmangel macht Politiker für Vorschläge empfänglich, die das Bauen attraktiver und kostengünstiger machen sollen. Eine Abkehr von den Zielen des Klimaschutzes ist dabei nicht erkennbar. So werden 800 Millionen Euro Fördergeld für die EH-55-Förderung bereitgestellt, eine zentrale Voraussetzung für die Förderung ist die vollständige Wärmeversorgung über erneuerbare Energien. Der Gebäudetyp E, bei dem Baustandards einvernehmlich gesenkt werden können, zielt im Wesentlichen auf konstruktive Eigenschaften und Umfang der technischen Ausstattung. Die Anforderung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), die Wärmeversorgung mindestens zu 65 Prozent über erneuerbare Energien zu realisieren, bleibt auch hier aus gutem Grund unangetastet. Gleiches gilt auch für den sogenannten Bauturbo. Genehmigungsverfahren sollen einfacher werden, Anforderungen an den Klimaschutz bleiben. Damit bleibt eine wichtige Aufgabe für die Wohnungsunternehmen bestehen: Wie erreichen wir Klimaneutralität im Bestand bis 2045? Wie kann dabei Wohnen für die breite Bevölkerung bezahlbar bleiben? Klimaneutralität gibt es nur durch den kompletten Verzicht auf fossile Energieträger und deren Ersatz durch Strom, kostengünstige Strombeschaffung gibt es nur durch die Kombination von Eigenerzeugung mittels Photovoltaik und einem intelligenten Energiemanagement in den Gebäuden.

Gibt es Alternativen?
Wohnungsunternehmen müssen davon ausgehen, dass fossile Energieträger wie Erdgas sowohl durch den steigenden Anteil von LNG als auch durch die CO2-Abgabe und die Aufnahme der Gebäudeversorgung in den europäischen Zertifikatehandel (ETS) teurer werden. Mit der zunehmenden Umstellung der Gebäude auf Wärmepumpen wird es zu einem Rückbau der Erdgasnetze kommen, die Grundgebühren für die verbleibenden Verbraucher an den Erdgasnetzen werden kontinuierlich steigen. Ob Fernwärme eine Alternative ist, wird sich zeigen, wenn die Kosten für dekarbonisierte Fernwärme klar werden. Aktuell wird der größte Anteil der Fernwärme noch durch fossile Energieträger erzeugt.
Die Zukunft ist elektrisch.

Mitmachen ist erwünscht!
Die von der EBZ Business School in Gründung befindliche Forschungsgemeinschaft „Stromnutzung in Gebäuden“ hilft den teilnehmenden Wohnungsunternehmen, sich mit den Eigenheiten des Stromhandels vertraut zu machen. Wie können Unternehmen von zeitvariablen Tarifen profitieren, welche Chancen stecken im Energy Sharing in Quartieren, wie lassen sich thermische und elektrische Energiespeicher für die Optimierung des Stromhandels nutzen? Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen lohnt sich eine Teilnahme, da sich das notwendige Know-how schneller gemeinsam aufbauen lässt. Weitere Infos unter www.forschungsgemeinschaft-strom.de

Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus (Prorektor für Forschung, Professur für Energiefragen der Immobilienwirtschaft an der EBZ)


Bild: annaspoka - stock.adobe.com