Der BFW-Landesvorstand im Interview
Düsseldorf, 18.12.2025. Herausforderungen, mögliche Lösungen und politische Forderungen nach einem turbulenten Jahr 2025. Welche Aussichten bestehen auf ein gutes Jahr 2026?
Nach gut drei Jahren Baukrise sind die ersten Maßnahmen der Bundespolitik in der Umsetzung. Der Bauturbo ist in Kraft, der Gebäudetyp E in der Diskussion und das EH-55-Förderprogramm mit immerhin 800 Millionen Euro zurück. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich dagegen kaum verändert. NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland, hier ist der Wohnungsmarkt in vielen Kommunen angespannt, da Studenten, Familien und Senioren gleichermaßen Wohnraum suchen. Zu den Perspektiven für 2026 haben wir im Landesvorstand nachgefragt.
Marktlage und politische Rahmenbedingungen
Wie erleben Sie die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt? Welchen Einfluss haben politische Rahmenbedingungen?
Nisse Neßeler Die Immobilienwirtschaft steht nach wie vor unter Druck. Explodierende Baukosten, steigende Zinsen und restriktive Regulatorik treffen unser Geschäftsmodell im Kern. Vor allem fehlt Investitionssicherheit, dabei wäre das jetzt wichtiger denn je, um den Wohnungsneubau endlich anzukurbeln.
Daniel Wylenga Die Unsicherheit wächst. Ein Übermaß an Regeln, insbe-sondere für den Bestand, gepaart mit Instrumenten wie der Mietpreisbremse macht Investitionen in Modernisierung und energetische Sanierung kaum noch wirtschaftlich.
Bauturbo, Gebäudetyp E und harmonisierte Landesbauordnungen
Wie bewerten Sie aktuelle politische Initiativen wie den „Bauturbo“ und den Gebäudetyp E? Wird zu viel oder zu wenig reguliert?
Dirk Salewski Der Bauturbo ist ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend wird sein, dass die Kommunen das praxistauglich umsetzen. Bauministerin Hubertz hat nicht ganz zu Unrecht gesagt, dass es ein „Möglichmacher“-Gesetz ist. Wir werden im nächsten Jahr feststellen,
wie viel Bauturbo in den Gemeinden steckt. Eines ist aber klar: Es ist illusorisch, dass damit große Verfahren wie Quartiersentwicklungen in nur drei Monaten zu schaffen sind. Wichtig ist, dass wir keinen neuen Gebäudetyp brauchen, sondern vor allem die geforderten Vereinfachungen stattfinden.
Anna Rzymelka Der Gebäudetyp E kann aus Sicht des BFW ein Wendepunkt sein: Rechtssicherheit und funktionale Standards statt Übertechnisierung, das schafft wieder bessere und bezahlbarere Angebote. Wichtig ist jedoch, dass die Anwendung bundesweit einheitlich und ohne neue bürokratische Hürden gelingt. Die vorgelegten Eckpunkte zum Gebäudetyp E lassen zumindest hoffen, dass auch das Thema der Produkthaftung juristisch einwandfrei geregelt werden könnte.
Stefanie Anna Adams-Pescher Nach aktuellem Sachstand werden im Rahmen der Novellierung der Landesbauordnung NRW alle Weichen gestellt, damit zukünftig ausschließlich nach Bauordnungsrecht des Landes gebaut werden kann. Damit wären geschätzt nur noch zehn Prozent der Normen umzusetzen. Eine gute Perspektive, für die auch auf Bundesebene der Weg frei gemacht werden muss.
Wohnraumförderung
Wie bewerten Sie die aktuellen Förderinstrumente?
Friederich Sahle Mit 3,2 Milliarden Euro Fördervolumen in den Jahren 2024 und 2025 sind wir in Nordrhein-Westfalen sehr gut aufgestellt. Viele Unternehmen konnten die Förderung in Anspruch nehmen. Auch wenn die Erwartungen an die geförderten Projekte seitens der öffentlichen Hand oft hoch sind, nehmen wir auch wahr, dass gerade große Quartiersentwicklungen mit langen Vorlaufzeiten aktiv und unterstützend begleitet werden. Auch 2026 wird die öffentliche Wohnraumförderung als Stabilisator im Wohnungsbau erforderlich bleiben.
Verlängerte Mietpreisbremse: Kritik und Auswirkungen
Wie stehen sie zur Mietpreisbremse?
Achim Feldmann Wer die Inflationsrate mit der Entwicklung der Kaltmieten vergleicht, wird feststellen: Mieten wird immer günstiger. Die zunehmenden staatlichen Eingriffe sind eine Fehlentwicklung, die eigentumsfeindlich ist, Altersvorsorge durch Immobilien gefährdet und volkswirtschaftlich betrachtet dazu führt, dass immer größere Teile der Immobilienbestände an Wert verlieren. Die Mietpreisbremse gehört abgeschafft und muss durch intensive Sanierungsanreize abgelöst werden.
Andreas Schettler Die Sanierungsquote ist gesunken und liegt unter einem Prozent, die Klimaziele bleiben. Aktuell tragen Eigentümer und Vermieter fast ausschließlich die finanzielle Last des Klimawandels im Gebäudebestand. Bestandsmieten lassen sich nicht mehr an
die Markt- und Kostenentwicklung anpassen. Sowohl Mietrecht als auch Mietspiegelrecht sind in ihrer einseitigen Fokussierung auf Mieterschutz überholt und berücksichtigen weder wirtschaftliche Rahmenbedingungen noch politische Anforderungen an Immobilienbestände.
Wachstumsmarkt Wohnen im Alter
Was muss für altersgerechtes Wohnen geschehen?
Fabio Merkens Der demografische Wandel verlangt flexible Angebote und Förderungen, damit altersgerechtes, barrierefreies Wohnen umgesetzt werden kann. Hier fordert der BFW klare politische Programme, die sowohl Neubau als auch Umbauten im Bestand fördern. Die Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen (Senior Living) steigt rapide. Wir plädieren deshalb für gezielte Entbürokratisierung und mehr finanzielle Unterstützung für innovative, bedarfsgerechte Projekte, die auch die Quartiersentwicklung im Blick haben.
Ausblick und politische Erwartungen
Bundesbauministerin Verena Hubertz möchte im Deutschlandfond öffentliches und privates Kapital für mehr Wohnungsbau zusammenbringen. Eine gute Idee?
Martin Dornieden Ich habe nichts dagegen, dass staatliches und privates Geld zusammengebracht wird. Es darf aber nicht so sein, dass damit vor allem staatliche Baugesellschaften gesponsert werden. Subventionen sind wichtig, um Menschen mit geringen Einkommen zu versorgen oder Innovationen voranzutreiben. Sie dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der freifinanzierte Wohnungsbau in Deutschland mit der aktuellen Gesetzeslage und allen Anforderungen zu einem Standard geführt hat, den die meisten sich gar nicht leisten können.
Mietregulierungen wurden zur vermeintlichen Problemlösung des zunehmenden Wohnraummangels derart verschärft, dass eine Anpassung an gestiegene Bau- und Instandhaltungskosten nicht mehr möglich ist. Die Sanierungsquote im Bestand ist auf 0,6 Prozent gesunken. Wir brauchen mehr als den Bauturbo, aber keinen zusätzlichen Gebäudetypen. Unser Ziel ist ein deutschlandweit einheitlicher Wohnungsbaustandard!
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