BFW-Immobilientag diskutiert Wege aus der Krise

Düsseldorf, 27.03.2026. Mit einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde ist der BFW-Immobilientag in Düsseldorf gestartet. Unter der Moderation von Landesgeschäftsführerin Elisabeth Gendziorra diskutierten Vertreter aus Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze für den Wohnungsbau in Nordrhein-Westfalen. In Vertretung von Bauministerin Ina Scharrenbach nahm Staatssekretär Daniel Sieveke an der Runde teil. Komplettiert wurde das Podium durch den BFW-Landesvorsitzenden Martin Dornieden, Düsseldorfs Baudezernentin Cornelia Zuschke sowie Petra Edelbluth, Vorständin der Wohnungsbauinitiative Köln und Niederlassungsleiterin der Wohnkompanie in Düsseldorf.
Im Mittelpunkt stand die drängende Frage: Wie kann wieder mehr Wohnraum geschaffen werden? Staatssekretär Sieveke plädierte dafür, bestehende Regelwerke kritisch zu hinterfragen. Insbesondere die anerkannten Regeln der Technik sowie DIN-Normen dürften nicht länger als „Gralshüter“ betrachtet werden. „Wir müssen den Mut haben, Notwendigkeiten neu zu bewerten“, so Sieveke. Die zivilrechtliche Klärung entsprechender Anpassungen müsse allerdings auf Bundesebene erfolgen. Zugleich widersprach er dem Eindruck mangelnden Engagements in den Kommunen deutlich: „Wir sind on fire.“ Sein Appell an die rund 300 Branchenvertreter: Gemeinsam müsse mehr Tempo entstehen. Auch die Umnutzung gewerblicher Immobilien biete Potenzial für zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum.
Cornelia Zuschke machte deutlich, dass der „Bauturbo“ zwar planerische Erleichterungen bringe, zugleich aber einen kulturellen Wandel erfordere. „Festhalten ist das Muster, das die Welt beherrscht – Loslassen bedeutet einen Paradigmenwechsel“, betonte sie. Ziel müsse stets die rechtssichere Baugenehmigung sein, Konflikte und Klageverfahren sollten möglichst vermieden werden. Gleichzeitig verwies sie auf strukturelle Kostentreiber wie Finanzierung und Bodenpreise, die in der Debatte häufig zu kurz kämen. Positiv bewertete sie Ansätze, auf Gutachten zu verzichten und schneller in Qualifizierungs- und Genehmigungsverfahren einzusteigen.
Petra Edelbluth kritisierte insbesondere die praktische Umsetzung des Bauturbos in Köln. Zu viele Flächen seien aufgrund restriktiver Kriterien ausgeschlossen, etwa Gewerbeflächen oder Projekte, die nicht allen – teils widersprüchlichen – städtischen Leitlinien entsprächen. Auch die Begrenzung auf 75 Wohneinheiten für die Anwendung des Bauturbos sei kontraproduktiv. „Wir brauchen Erleichterungen statt weiterer Einschränkungen“, forderte sie. Zudem wies sie auf die steigenden Kosten durch zunehmende Anforderungen insbesondere im Bereich der Barrierefreiheit hin.
Martin Dornieden lenkte den Blick auf langwierige Planungsprozesse, vor allem in Großstädten wie Köln. Dort dauere es mitunter drei bis vier Jahre bis zu einem Aufstellungsbeschluss. „Je größer die Stadt, desto komplexer der Diskurs“, erklärte er. Gleichzeitig verwies er auf Projekte in C-Städten, bei denen in anderen Städten in derselben Zeit bereits Baugenehmigungen erteilt würden.
Beim Thema Digitalisierung zeigte sich Fortschritt: Laut Sieveke sind inzwischen rund 80 Bauaufsichtsbehörden in NRW in der Lage, digitale Bauanträge entgegenzunehmen; weitere 85 sollen noch in diesem Jahr folgen. Mit der Initiative „Digitaler Antrag First“ werde das Verfahren stärker an die Lebensrealität angepasst. Cornelia Zuschke hingegen bemängelte, dass das Bauportal bislang zu wenig genutzt werde. In Düsseldorf sei eine Eingangsbestätigung für Bauanträge innerhalb einer Woche Standard. Weitere Fortschritte erwartet sie durch die Digitalisierung von Bauakten und einen anstehenden Softwarewechsel.
Einigkeit bestand unter den Diskutierenden schließlich darin, dass eine Abkehr von bestehenden DIN-Normen und die Definition neuer Standards nicht zwangsläufig zu Einbußen bei der Wohnqualität führen müsse. Vielmehr könne dies ein wichtiger Schritt sein, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln.